Drei Fragen an: Architekt Eberhard Becker

Eberhard Becker: So klimafreundlich geht Architektur

17.01.2026

Wie funktioniert ein klimafreundlicher Stadionumbau? Als Architekt kennt Eberhard Becker die Antwort. Vom eigenen Beton aus der ehemaligen Tribüne, über regionale Küche bis hin zur Photovoltaik-Anlage auf dem Stadiondach, die MHP-Arena in Stuttgart setzt neue Maßstäbe beim Thema Klimaschutz.

Eberhard Becker steht in den Sitzreihen der MHP Arena, lächelt in die Kamera – im Stadion fanden EM-Spiele statt.

Eberhard Becker ist überzeugt, dass die Stadien der Zukunft nicht nur spezifisch für eine Sportart entwickelt werden, sondern die Räumlichkeiten multifunktional nutzbar gemacht werden sollten. Die großen Dachflächen bieten sich außerdem für Stromgewinnung und Regenwassernutzung an. Was der Architekt von asp Architekten von dieser Version bereits in der MHP-Arena umsetzen konnte, haben wir im Gespräch herausgefunden.

Wie misst man eigentlich den ökologischen Fußabdruck eines Fußballstadions und was ist bei einem so großen Projekt wie der Arena in Stuttgart außerdem wichtig?

„Hierzu gibt es Berechnungsmethoden, die Themen wie Materialverbrauch, Energieverbrauch, Wasserverbrauch, Abfallaufkommen berücksichtigen. Abseits davon war es uns in Stuttgart wichtig, neben der sinnvollen Materialauswahl auch weitere „weiche“ Faktoren für ein nachhaltiges Projekt zu ermitteln und umzusetzen. So haben wir beispielsweise das Bestandsgebäude neben dem Erhalt des Rohbaus als Materiallager gesehen und Bauteile wie Brandschutztüren, Fenster aber auch Trafos und Schaltanlagen zur Weiterverwendung verkauft oder teilweise auch selbst wieder eingebaut. Den notwendigen Betonabbruch haben wir als Ressourcenschonenden Beton (R-Beton) im Stadion direkt wieder eingebaut, weiterhin haben wir eine Großküche eingebaut, in der der Caterer mit regionalen Produkten frisch kochen kann.“

Welche langfristigen Einsparungen oder Vorteile bringt der Umbau der MHP Arena in Stuttgart konkret?

„Neben den direkten Einsparungen durch Verbesserungen wie zum Beispiel Dämmwerte, Anlagentechnik und der Umstellung auf LED-Flutlicht war es ein wichtiger Punkt, das Stadion für zusätzliche Veranstaltungen nutzbar zu machen. Somit kann das Stadion neben der Fußball-Nutzung, die ja nur 17 bis 24 Mal im Jahr stattfindet, für Kongresse, Konzerte, Messen, Tagungen oder ähnliches genutzt werden. So ergeben sich hohe Synergie-Effekte und es muss kein Neubau auf der grünen Wiese entstehen, der wieder Ressourcen verbraucht.“

Was bedeutet dir dieses Projekt persönlich – besonders im Hinblick auf Nachhaltigkeit?

„Für mich ist es was ganz besonderes, da ich mein gesamtes Berufsleben (rund 30 Jahre) mit diesem Stadion zu tun hatte und wir es immer wieder geschafft haben, das Stadion fit für die Zukunft zu machen und am bestehenden Standort immer weitere Optimierungen vorzunehmen. Das ist für mich das Nachhaltigste überhaupt. Vorhandene Bausubstanz nutzen, aber auch bestehende Infrastruktur mit der gut funktionierenden Erschließung und ÖPNV-Anbindung – der NeckarPark ist aus meiner Sicht in Europa als Veranstaltungsmeile einmalig.“